Der Arzt als Bote – ein besonderer Tag
- Ioannis Stavrou

- 2. Juni
- 1 Min. Lesezeit
Frau D. war als Patientin bei mir in der Ordination im Therapie Zentrum Kranich. Am Ende unseres Termins wandte sie sich an mich und sagte:
„Herr Doktor, danke für Ihre Hilfe. Nun habe ich leider keine E-Mail-Adresse und die Medikamente gegen meine Schmerzen bräuchte ich eigentlich sofort. Könnten Sie mir das Rezept vielleicht gleich ausdrucken?“
Ich war im ersten Moment wirklich baff. In all den Jahren meiner Praxis habe ich meinen Patientinnen und Patienten sämtliche Unterlagen fast ausschließlich digital oder ab und zu per Post zukommen lassen. Ein Dokument aber sofort ausgedruckt auf die Hand zu geben – das stellte sich in unserer digitalisierten Ordination plötzlich als kleine technologische Herausforderung dar!
Um die Situation zu lösen, redete ich mich spontan heraus: „Das bringe ich Ihnen heute nach Hause, Frau D.! Und zwar mit dem Fahrrad.“ Sie lächelte etwas ungläubig und entgegnete nur sanft: „Aber machen Sie sich bloß keinen Stress.“
Am Nachmittag habe ich mein Versprechen dann in die Tat umgesetzt, mich auf den Sattel geschwungen und bin zu ihr geradelt. Als ich an ihrer Tür klingelte und ihr das Rezept überreichte, strahlte Frau D. vor Freude.
„Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Sie das ernst meinen!“, staunte sie.
„Aber sicher doch, wie denn sonst?“, lachte ich ihr entgegen.
Es war eine kleine Geste, aber am Ende war es ein wunderschöner Tag – für uns beide. Manchmal sind es eben genau diese kleinen, analogen Momente, die in unserer modernen, schnellen Welt am meisten zählen.





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